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HILFE FÜR SAMBIA

Ein Bericht unserer ehemaligen Orthoptistin Frau Claudia Ehlers

Nachdem ich einige Jahre Berufserfahrung in meinem Beruf als Orthoptistin gesammelt hatte, habe ich mir die Frage gestellt, ob ich meine Fertigkeiten nicht im Ausland anwenden könnte.
So kontaktierte ich mehrere Missionsgesellschaften. Die meisten wünschten jedoch zusätzlich zur medizinischen Ausbildung eine theologische und eine sprachliche Ausbildung. So zerschlug sich dieser Wunschtraum zunächst.
Als der Mülheimer Verband freikirchlich – evangelischer Gemeinden 1997 eine Reise zu dem Missionarsehepaar Kristina und Traugott Hartmann nach Sambia anbot, fuhr ich kurz entschlossen mit. Obwohl es primär um einen Baueinsatz für unsere Partnerkirche, die Christian – Community – Church, ging, nahm ich auf Bitten des Missionarsehepaars abgelegte, deutsche Brillen mit.
Ein Spendenaufruf unserer Gemeinschaftspraxis brachte in kürzester Zeit 25-30 kg ! Brillen zusammen.

 

Sambia

Die Brillen sind angekommen!

Ein tief beeindruckendes Ergebnis! Und diese Brillen fanden reißenden Absatz. Nicht nur beim Anpassen innerhalb der Gemeinde sondern auch bei einer Missionskonferenz, an der ca 3.500 Menschen teilnahmen.

 


Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass nicht wirklich alle Leute, die eine Brille wollten, wirklich eine Brille brauchten… So nahm ich mir vor, dass – wenn ich erneut die Möglichkeit hätte – ich auch zusätzlich Sehschärfentafeln, eine Probebrille und andere wichtige Untersuchungsgeräte mitnehmen würde… Ein paar Jahre später (im Jahre 2000) hatte ich hierzu die Gelegenheit. Diesmal brauchten die Brillen nicht eng gequetscht in meinem privaten Material mitgenommen zu werden, sie wurden schon vorab weggeschickt. Es handelte sich dabei um gut fünf Bananenkartons…
Als ich ankam, lagen die Brillen in einem Container – alle liebevoll und bruchsicher verpackt. Nur leider waren sie weder nach der Stärke sortiert – geschweige denn ausgemessen.

 


Die Auswahl des Brillenetuis konnte durchaus 3 Minuten dauern…

Afrikanisches Waisenkind

So verbrachte ich mit einem groben Vorsortieren etwa drei Arbeitstage.
Und dann ging’s los: In den Räumlichkeiten einer Schule für vornehmlich Waisenkinder, die von dem deutschen Missionarsehepaar Hartmann 1998 ins Leben gerufen wurde und mittlerweile ca. 2.000 Kinder unterrichtet, bekam ich einen Raum zur Verfügung gestellt.

 


Dort stand ich dann mit meinen Brillen und für deutsche Verhältnisse spatanischen Untersuchungsgeräten und passte Brillen an. Der erste Sehtest bestand darin, dass mir die Patienten ihren Namen und ihr Alter aufschrieben.

 


Frau Ehlers mit Patient

 

Frau Ehlers bei der Untersuchung

Schon anhand des Abstands, der Schriftgröße und des Alters schloss ich erste Rückschlüsse auf den Visus, die Sehschärfe, und die notwendige Brille des Patienten. Nach der Ermittlung des Rohvisus, der Sehschärfe ohne Korrektur, versuchte ich mit Hilfe einer Probebrille zu ermitteln, wie stark die Brille etwa sein muß, um dann durch Abschätzen der Gläserstärke die halbwegs richtige Brille aus dem Karton zu suchen! Das war wirklich nicht immer einfach. „Einfache” Lesebrillen ab ca 45 Jahren gingen relativ fix, aber wenn die Leute dann noch zusätzlich weit-, kurz- oder gar stabsichtig waren, konnte es schon etwas länger dauern, eine akzeptable Brille zu finden.

 


Hatte jemand schon eine vom Arzt ordinierte Brille, war es schier unmöglich eine bessere zu finden, denn zum einen konnte ich die Stärke nur ungefähr ermitteln, zum anderen waren meine Brillen alle nur von meinem Augenmaß her abgeschätzt, wie stark sie waren. Aber da in Sambia kaum einer eine Brille hat – denn die meisten können sich keinen Arztbesuch leisten, geschweige denn eine Brille finanzieren – kam mein Arbeitseinsatz super gut an. Der Wartebereich war immer gut gefüllt und es konnten nicht immer alle Patienten untersucht werden, die gekommen waren. Aber es war für mich sehr ermutigend zu beobachten, wie einige feststellten, dass sie auf einmal viel, viel mehr sehen konnten – oder wieder problemlos lesen konnten. Meine Patienten waren alle super dankbar.

 


Zustand nach congenitaler Catarakt-Operation

Ich kann mich besonders gut an eine Frau erinnern, die als sie draußen war feststellte, dass sie ja richtig weit schauen konnte.

 


Um zu vermeiden, dass Leute kamen, die die Brille nur einfach so wollten, wurde in der Regel ein Unkostenbeitrag in Höhe von 5.000 Kwacha – das entspricht etwa 1,5 Euro genommen.

 

Und das war wirklich gut so. Denn viele Sambianer halten die Brille für ein Statussymbol, so musste ich mir durchaus anhören, ich würde meine Brille ja nur tragen, um intelligenter auszusehen… Besonders gut gingen auch die Sonnenbrillen Oder es kamen welche, die unbedingt eine Korrektur haben wollten. So z.B. dieser 19 – jährige Schüler, der mir fast die Nerven gekostet hätte, denn er tat nur so als würde er nichts sehen. Soweit ich es beurteilen konnte (inkl. obj. Refraktionsbestimmung mit Hilfe des Skiaskops) hatte er nichts. Und als ich ihm meine Probebrille aufsetze, lies er mir locker 125% vor. Er hatte nur nicht bemerkt, dass keine Korrekturgläser drin steckten…

 

Sonnenbrillen

Simulant

 


Insgesamt war es eine spannende Zeit in Sambia. Es war toll, die Sambianer kennen zu lernen und ich bin sicher, dass ich nicht das letzte mal in Sambia war…
Kontakt: Claudia Ehlers
Orthoptistin

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