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Piercing am Auge

PIERCING am Auge

Allergische Reaktionen des Auges durch Metallsticker

Piercing am Auge

Seit einigen Jahren rollt eine neue Modewelle auch über Deutschland: „Piercing“. Metallsticker verschiedenster Konfiguration werden durch die Haut gestochen und als Dauerschmuck getragen. Kaum ein Körperteil bleibt davon verschont. Bevorzugte Lokalisationen sind die Augenlider und die Augenbrauen. Sich „piercen“ zu lassen, ist allerdings keineswegs harmlos:

In den letzten Jahren mehren sich die Berichte von Nebenwirkungen, die bis zu schwersten Infektionen mit Gefährdung des Augenlichtes reichen. Neben direkten Verletzungen ist das Auge von Infektionen betroffen, die von den Piercingstellen bis zum Auge fortgeleitet werden können. Zusätzlich kennt man toxische Reaktionen und Allergien am Auge nach Piercing.

Allergien: Bevorzugt auf Nickel-Sticker

Das Auge, genauer das Augenlid, reagiert wie normale Haut auf zahlreiche Substanzen mit einer Allergie. Dies können im allgemeinen Kosmetika, aber auch Medikamente oder Bestandteile dieser Medikamente – Konservierungsmittel – sein. Während bei Metallstiften aus Edelmetallen die Gefahr einer allergischen Reaktion kaum besteht, führen vor allen Dingen Sticker minderwertiger Qualität durch Verunreinigungen mit Kupfer, Nickel und Kobalt zu einer typischen Schwellung um den Lidbereich herum. Bezüglich der Allergisierung scheint insbesondere Nickel am gefährlichsten zu sein, während Kupfer Rr seine zelltoxische Wirkung bekannt ist. Beobachtet wurde ebenfalls, daß sich die Allergien nicht unbedingt in der direkten Umgebung des Stickers manifestieren müssen, sondern oft auch von Stiften in anderen Körperregionen zu allergischen Erscheinungen an den Lidern oder der Bindehaut Rhren. Vom Mechanismus her handelt es sich hier um eine klassische Immunreaktion des verspäteten Typs, die über T-Zellen vermittel wird und erst einige Stunden bis Tage nach Kontakt mit den die Allergie induzierenden Substanzen zu den typischen klinischen Zeichen der Schwellung, Rötung und Juckreiz führt.

Infektionen: Im Frühstadium leicht zu verkennen

Während diese allergischen Reaktionen relativ harmlos sind und nach Entfernung des auslösenden Stoffes normalerweise gut abheilen, kann es sehr schwer sein, hiervon eine beginnende Infektion, wie sie von Piercing mit Metallstickern im Lid beschrieben ist, zu unterscheiden. Auch toxische Reaktionen können diesen allergischen Reaktionen anfangs ähneln. Da nahezu alle Metalle mit Ausnahme der Edelmetalle in ihrer ionisierten Form wasserlöslich sind und nach Durchstechen der Haut in andere Körperbereiche gelangen können, ist es nicht überraschend, daß auch in der Bindehaut metallische Ablagerungen nach Piercing gefunden worden sind.

Piercing: Latentes Gesundheitsrisiko

Jeder, der sich piercen läßt, muß sich darüber im klaren sein, daß er damit ein gesundheitliches Risiko auch für die Augen eingeht. Dies kann von den realtiv schmerzlosen Allergien bis zu schweren Infektionen gehen. Therapeutisch problematisch ist häufig, daß der im Notfall aufgesuchte Augenarzt nicht immer über die Instrumente zur Entfernung der Ringe verfügt und daher die Therapie, die mit der Eliminierung der auslösenden Substanz beginnen muß, erst später eingeleitet wird.

Prof. Dr. med. M. Zierhut
Universitäts-Augenklinik
Schleichstraße 12, 72076 Tübingen
Telefax 07071 / 294762

Presseerklärung im Rahmen der 96. Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft am 19. – 22. September 1998 in Berlin

Auch wenn dieser Vortrag fast 20 Jahre alt ist, hat er immer noch aktuelle Gültigkeit.


Foto: Esidoxia AG

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