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Fernseh- und Hörfunkinterviews

Fernseh- und Hörfunk-Interviews

Sehtest: Im Blindflug über die Autobahn (Sendung Markt / WDR vom 30. Januar 2006)

(wenn Sie diese Sendung sehen möchten, klicken Sie bitte hier)

Vor dem Führerschein steht der Sehtest. Doch im Gegensatz zu anderen Ländern muss der in Deutschland nicht turnusmäßig wiederholt werden – obwohl die Sehkraft mit dem Alter vielfach nachlässt und der Betroffene dies oft nicht einmal merkt. Im testmarkt machen wir an der Autobahn-Raststätte Kontrolle.

Von Sonja Kolonko

Zusammen mit dem Essener Augenarzt Dr. Ludger Wollring prüften wir in der Raststätte „Ohligser Heide“ die Sehfähigkeit von Autofahrern. Die Ergebnisse unserer Stichprobe an der Autobahn waren erschreckend: Viele Autofahrer lassen offenbar ihrem Auto eine bessere Pflege und Kontrolle angedeihen als sich selbst. Dabei ist gutes Sehen insbesondere im Straßenverkehr von großer Wichtigkeit: Nach Hochrechnungen, die der Deutschen Verkehrswacht vorliegen, sind etwa 300.000 Unfälle im Jahr auf mangelndes Sehvermögen zurückzuführen. In anderen Ländern, wie beispielsweise in Italien oder Spanien, hat man daraus Konsequenzen gezogen: Der Führerschein wird nur auf Zeit vergeben und eine Verlängerung an regelmäßig zu absolvierende Sehtests gekoppelt. In Deutschland muss wohl auch künftig keiner zum Augenarzt, wenn er nicht will, denn, so teilte uns das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage mit, es sei ja noch gar nicht eindeutig nachgewiesen, „dass nachlassendes Sehvermögen unmittelbar mit einer erhöhten Unfallbeteiligung bzw. -verursachung zusammenhängt“. Die deutsche Verkehrswacht ist da entschieden anderer Meinung: „Wer schlecht sieht, fährt auch schlecht Auto, und stellt so in jedem Fall ein Sicherheitsrisiko dar“, meint die Pressesprecherin Dr. Marion Steinbach.

Drei Hürden bis zur Fahrtauglichkeit

testmarkt wollte wissen, wie viele solcher „Sicherheitsrisiken“ auf Deutschlands Autobahnen unterwegs sind. 25 Autofahrer unterzogen sich freiwillig unserer augenärztlichen Untersuchung – die meisten in der festen Überzeugung, mit ihren Augen stehe alles zum Besten. Auf dem Plan stand zunächst der einfache Führerschein-Sehtest. Hier wird die so genannte zentrale Sehschärfe bestimmt, also festgestellt, ob jemand kurz- oder weitsichtig ist. Um als fahrtüchtig eingestuft zu werden, muss der Proband auf eine Sehschärfe von mindestens 70 Prozent kommen. Insgesamt sechs von 25 Testpersonen hatten Schwierigkeiten, die Zeichen auf der fünf Meter entfernten Tafel richtig zu erkennen und fielen somit bereits durch diesen leichten Einstiegstest.

In einem zweiten Schritt prüfte der Augenarzt die für Autofahrer nicht minder wichtige Fähigkeit, Entfernungen richtig einzuschätzen. Ein eingeschränktes räumliches Sehvermögen macht sich im Straßenverkehr zum Beispiel dadurch bemerkbar, dass die Größe einer Parklücke, oder – die gefährlichere Variante – beim Überholen die Entfernung der entgegenkommenden Fahrzeuge falsch eingeschätzt wird. Dr. Wollring überprüfte das räumliche Sehvermögen anhand kleiner Sehtäfelchen, die die Testpersonen in der Hand halten mussten. Auf den ersten Blick waren darauf nur graue Pünktchen zu erkennen. Erst auf den zweiten Blick bildeten sich – ein gesundes Sehvermögen vorausgesetzt- Figuren ab. Bei diesem Test fiel die Bilanz etwas besser aus. Nur ein Autofahrer lag auch nach wiederholtem Raten nicht richtig. Andere Probanden hielten lediglich die Katze für eine Kuh oder sahen nur grobe Umrisse der kleinen Figur. In solchen Fällen zeigte sich Dr. Wollring gnädig.

Der so genannte Dämmerungssehtest bildete den Abschluss. Hierbei ging es darum, schwarze Zeichen vor dunklem Hintergrund zu erkennen. Weitere sechs Personen waren dazu nicht in der Lage. Ein eingeschränktes Dämmerungssehvermögen kann fatale Folgen auf der Straße haben, denn wer nachtblind unterwegs ist, kann zum Beispiel andere Verkehrsteilnehmer oder auch Straßenverläufe gar nicht oder nur sehr spät erkennen. In der Dunkelheit oder bei schlechten Sichtverhältnissen kommt es nämlich nicht nur darauf an, scharf zu sehen. Besonders Kontraste sollten schnell erkannt werden, und auch die Blendungs(un)empfindlichkeit des Auges spielt eine große Rolle. Was das Dämmerungssehen anbelangte, schätzten sich die meisten der Probanden aber richtig ein. Viele Betroffene berichteten, dass sie im Dunklen nicht mehr gerne Autofahren und lieber die Hände vom Steuer lassen. Das ist oft auch die beste Lösung, denn anders als eine mangelnde Sehschärfe oder ein eingeschränktes räumliches Sehvermögen lässt sich die Nachtblindheit mit der richtigen Sehhilfe nur lindern, aber nicht völlig korrigieren.

Am Ende fiel das Ergebnis unserer Stichprobe alarmierend aus: Über ein Drittel der untersuchten Autofahrer wurde von Dr. Wollring als eigentlich „nicht fahrtüchtig“ eingestuft. Mit guten Ratschlägen und der Ermahnung, bald zum Augenarzt zu gehen, wurden sie entlassen – oft mit einem unguten Gefühl im Bauch: „Ich hoffe, die Betroffenen nehmen sich die Ergebnisse zu Herzen und suchen bald einen Augenarzt auf“, äußerte sich der Fachmann am Ende des Tages besorgt.

Optiker oder Augenarzt?

Wer sich jetzt ebenfalls fragt, ob seine Sehschärfe mit oder ohne Brille für den Straßenverkehr noch ausreicht, sollte sich bald einen Termin bei Augenarzt oder Optiker geben lassen. Bei der Wahl des richtigen Experten gilt es gut abzuwägen. Der Optiker überprüft in den meisten Fällen nur die zentrale Sehschärfe – das allerdings oft umsonst. Der Augenarzt ist in der Regel gründlicher. Zu einer umfassenden Fahrtauglichkeitsuntersuchung gehören die Überprüfung der zentralen Sehschärfe, des räumlichen Sehens, des Farbensehens, des Dämmerungssehens und des Gesichtsfelds. Bei letztgenannter Untersuchung wird festgestellt, wie viel der Autofahrer aus den Augenwinkeln sehen kann, also wie frühzeitig er jemanden sieht, der von links oder rechts kommt. Eine solche umfassende Untersuchung kostet den Patienten nach Angaben des Bundesverbandes der Augenärzte etwa 60 Euro.

 


Sendung vom 26. Februar 2006 (Sendung VOX / Auto Motor Sport)

Nachtblindheit – wenn im Dunkeln alles unscharf wird

Über 50 Prozent der Unfälle auf Deutschlands Straßen ereignen sich in Winternächten. Alkohol und Sekundenschlaf sind mögliche Ursachen, aber auch Nachtblindheit stellt eine häufig unterschätzte Gefahr dar.
Wenn nachts die Konturen außerhalb des Autos verschwinden und alles zu einem grauen Einerlei verschwimmt, ist das nicht nur für den Fahrer gefährlich, sondern auch für den übrigen Verkehr. So geht es etwa jedem siebten Menschen in Deutschland. Doch nur wenige sind sich dieser Sehschwäche bewusst. Kein Wunder, liegt doch der letzte Sehtest bei den meisten lange zurück. Die Anzeichen für eine Nachtblindheit werden oft ignoriert.
Dabei würde ein Besuch beim Augenarzt Klarheit schaffen. Dieser kann mit einer speziellen Untersuchung das Dämmerungssehvermögen testen. Dabei schaut der Patient erst für einige Minuten in ganz helles Licht und dann wird die Empfindlichkeit der Netzhaut gemessen. Man misst also, wie lange es dauert, bis sich die Augen an die dunkle Umgebung gewöhnt haben und wieder etwas erkennen. Ist der Zeit-Abstand zu groß, muss die Schwäche korrigiert werden etwa mit einer Sehhilfe.
Doch nicht allein das menschliche Auge ist für klare Sicht verantwortlich. Auch die Autoscheiben müssen sauber sein. Schmutz kann die Sehleistung um bis zu 25 Prozent verringern. Auch die Scheinwerfer sollten richtig eingestellt sein.
Letztlich hängt es immer an der Selbsteinschätzung des einzelnen Autofahrers, ob er gut sieht oder nicht, denn einen Augen-TÜV gibt es noch nicht. Auch wer glaubt, gut sehen zu können, sollte bei Dunkelheit lieber den Fuß vom Gas nehmen. Bewegungen werden bei wenig Licht rund 30 Prozent langsamer empfunden, als sie in Wirklichkeit sind.
Weitere Informationen unter:

Kuratorium Gutes Sehen e.V. (KGS)
Saarbrücker Straße 38
10405 Berlin
Tel.: 030 / 414 021-22
Fax: 030 / 414 021-23

*Berufsverband der Augenärzte
Deutschlands e.V. (BVA)
40474 Düsseldorf, Tersteegenstr. 12
40401 Düsseldorf, Postfach 30 01 55
Tel.: 0211 / 430 37-00
Fax 0211 / 430 37-20

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